Ivo Soldini Marc Reist Blauschafe


Künstler



Warum moderne Kunst auf der Ufnau? Ist diese Insel, die seit rund tausend Jahren dem Kloster Einsiedeln gehört, nicht bereits seit langem ein Ort der Kultur mit romanischen Kirchen aus dem 12. Jahrhundert und einem Gasthaus aus der Barockzeit? Sicher, aber auch diese Stile waren einmal neu. Auch damals wurde auf der Insel der
Dialog mit der eigenen Zeit gesucht.

 

Denn Kunst will anregen, lässt uns Menschen kreativ sein und übersteigt das, was wir in unserem Alltag zum Leben brauchen. Schon die beiden Sakralbauten St. Peter und Paul und St. Martin erinnern uns in ihrer schlichten Schönheit: Der Mensch ist für mehr gemacht als für das blosse Dahinleben. Und das geschichtsträchtige «Haus zu den zwei Raben» trägt dazu bei, dass ein Essen mehr ist als notwendige Nahrungsaufnahme. Wer fühlt sich im Anblick dieses Hauses und der beiden Kirchen – und mit einem Wein aus den Rebbergen der Insel in der Hand – nicht herausgehoben aus dem Trubel des Alltags? Kunst regt an, fordert heraus und führt weiter.

 

So auch jene von Ivo Soldini, Marc Reist, Rainer Bonk und Bertamaria Reetz. Gerade in ihrer Unterschiedlichkeit ergänzen sich diese Künstler. Das zeigt mir meine Erfahrung vom Zusammensein im Kloster. Unsere Gemeinschaft umfasst heute rund 40 Mitbrüder zwischen 22 und 91 Jahren. Sie zeichnet sich durch eine unglaubliche Vielfalt aus. Jeder Mönch hat seine eigene Persönlichkeit, seine Talente und auch seine Unvollkommenheiten, die unser Gemeinschaftsleben bereichern und uns anspornen, zusammen auf dem Weg der Gottsuche zu bleiben. Ich wünsche mir von der neuen Skulpturenausstellung auf der Insel Ufnau, dass das freie Tun und Suchen dieser Künstler für zahlreiche Besucherinnen und Besuchern Anstösse gibt, selbst nach dem Mehr im Leben zu suchen. Und ich wünsche mir, dass diese Anstösse in unserem Alltag nachhallen können.


Abt Urban Federer, Kloster Einsiedeln


„ Denn Kunst will anregen, lässt uns Menschen kreativ sein und übersteigt das, was wir in unserem Alltag zum Leben brauchen.“

Abt Urban Federer, Vorsteher des Klosters Einsiedeln